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update Kopenhagen

Eurovision Song Contest > 2014
Reisebericht und Impressionen
Dienstag, 29. April 2014

Dieses Jahr geht das Eurovisions-Abenteuer etwas früher los als eigentlich geplant. Doch die Hinreise aus der regnerischen Schweiz nach Kopenhagen wo die Sonne bei 20 Grad scheint, war es allemal wert schon loszufahren (fliegen). Trotz Routine wurde die Nacht wieder einmal sehr kurz. Und auf dem Schienennetz des Zürcher Verkehrsverbundes war Chaos Total. Züge hatten Verspätung und hatten ungewöhnliche Endstationen. Ich bangte schon, dass ich den Flieger verpassen würde. Mit mehrfachem Umsteigen habe ich es dann trotzdem rechtzeitig geschafft. Bloss, bis ich die Bank gefunden hatte um noch Dänische Kronen zu kaufen wurde es wieder knapp. Mit meinem, beim elektronischen Einchecken von mir gewählten Sitzplatz hatte ich wieder einmal extrem Glück. Ein schreibendes Kind und ein jaulender Minihund in einer Tasche haben den Flug nicht gerade angenehm gemacht.

Nach knapp einer Stunde und 30 Minuten bin ich in Kobenhavn Kastrup gelandet. Was man sich in Zürich nicht gewohnt ist wurde hier aber wieder zelebriert. Auf das Gepäck musste man geschlagene 20 Minuten warten. Soll dies etwa den Verkauf der Duty-Free Shops ankurbeln welche nun auch noch bei der Ankunft besucht werden können? Nun noch schnell ein Ticket für die Bahn in Richtung Kopenhagen H gekauft. Für DKK 36 (CHF 5.85) wird man bequem mit dem Zug ins Zentrum von Kopenhagen gefahren. Mein Hotel ist sogar zu Fuss leicht zu erreichen, nur war noch kein Zimmer frei als ich einchecken wollte.

Also machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Zuerst einmal den Standort des Shuttle-Bus ausfindig machen. Keine grosse Sache, in zwei Minuten erreichte ich den Ausgangspunkt des Shuttle's B. Dieser fährt im moment jedoch nur jede Stunde. Die Frequenz soll noch erhöht werden je mehr Besucher eintreffen. Und wie konnte es anders sein, mir fuhr der Bus gerage vor der Nase weg. Dies war jedoch kein Ärgernis, sondern bewegte mich dazu in die Innenstadt zu gehen. Viele schöne dekorierte Strassen und plötzlich, die Tolmachevy Sisters (Interpretinnen aus Russland) welche sich vor einem Brunnen in Pose setzten. Diese Gelegenheit nahm ich gleich wahr und begrüsste sie und machte selbstverständlich auch ein Foto von ihnen.

Zurück beim Shuttle-Bus Einsteigeort konnte ich dann noch ein paar Minuten auf den Bus warten. Trotz nur 5 Zwischenhalten braucht dieser Bus eine geschlagene Stunde bis er auf dem Werftgelände ankommt. Nicht wie in anderen Jahren waren die Akkreditierungen noch gar nicht ausgedruckt - dies erspart die Sucherei, denn nur für diejenigen die auch wirklich Eintreffen werden diese Plastikkarten erstellt. Dann durch die Sicherheitskontrolle und rein in das Eurovisionsgelände. Jetzt kann er beginnen der Event des Jahres. Kaum das Pressecenter betreten, konnte ich bekannte Gesichter erblicken die wie auch in den letzten Jahren immer vor Ort sind. Wie eine Klassenzusammenkunft.

Die ersten Proben können seit dem letzten Jahr nur noch auf den grossen Bildschirmen im Pressecenter angeschaut werden. Gleichzeitig bietet eurovision.tv aber einen Kurzausschnitt auch auf Youtube an. Somit gibt es eine einheitliche Quelle aus welcher die Filmchen kommen. Dies hat auch den Vorteil, dass eine vielleicht nicht ganz gelungene Probe auf's Gröbste ausgeschlachtet wird. Obwohl so richtige Patzer hat es ja dank der guten Vorbereitung der Interpreten in den letzten Jahren kaum mehr gegeben.

Die Bühne wurde uns als Modell vorgestellt. Sehen kann ich diese dann auch erst ab Freitag. Auf den Bildschirmen kommt diese sehr mächtig und vor allem Multifunktional rüber. Einzelinterpreten gehen da einfach mal verloren. Gespannt bin ich auch darauf wo die Zuschauer sitzen werden, diejenigen die nicht vor der Bühne stehen. Es ist ja nicht wirklich eine Veranstaltungshalle und somit auch nicht für diese Menschenmenge gebaut. Ich nehme mal an, dass die Zuschauer mehr oder weniger wie an die Wände der Werft geklebt werden. Aber lassen wir uns überraschen.

Israel habe ich als erstes auf dem Bildschirm mitverfolgen können. Hier wird nicht mit Reizen gegeizt, und man zeigt auch sehr viel Bein. Ich persönlich bringe jedoch den Titel des Songs "Same Heart" nicht ganz mit der Umsetzung zusammen. Dasselbe Problem habe ich auch mit Norwegen. Die wunderbare Stimme von Carl Espen passt überhaupt nicht zu seinem Rockeroutfit und die Streicherinnen passen zwar zum Song, nicht aber zur Gesamtaufmachung. Augen zu und geniessen, dann passt dieser Song welcher etwas Melancholisch angehaucht ist bestens und man spürt dann auch den "Silent Storm". Ob sich Georgien mit "Three Minutes To Earth" einen gefallen macht? Die Stimmen sind sehr professionell, der Auftritt ähnelt jedoch mehr einer zweitklassigen Coverband. Bleibt zu Hoffen, dass es nicht nach drei Minuten schon vorbei ist. Polen trägt etwas zu sehr auf. Zu gekünstelt fröhlich und doch folkloristisch angehaucht. Passt irgendwie nicht zusammen.

Zumal die Meet & Greets immer in nicht gerade geordneten Bahnen ablaufen habe ich mich nach dem letzten Auftritt wieder aufgemacht um noch in die Stadt zu gehen. Die einstündige Fahrt war etwas kurzweiliger, da der Bus nicht schlecht besetzt war und dieverse Konversationen geführt werden konnten. Jetzt noch das Gepäck auslösen und das Zimmer beziehen. Ich habe mich jedoch dazu entschieden weder in der Euro-Club noch ins Euro Café zu gehen, da ich doch inklusive der Anreise etwas müde war. Noch einmal über die Fanmeile geschlendert und an einem Imbissstand etwas gegessen, dann war auch mein erster Tag in Kopenhagen zu Ende. Obwohl jetzt doch etwas kühl aber trotzdem super schönes Wetter gegenüber der Kulisse welche ich in der Schweiz verlassen habe.
Mittwoch, 30. April 2014

Welch rabenschwarzer Tag bahnte sich denn heute an. Noch vor dem Frühstück habe ich mich dazu entschlossen noch etwas an unserer Seite zu aktualisieren. Und dann das, plötzlich schwarzer Bildschirm und mein Laptop konnte nicht mehr gestartet werden. Ist das nun schon das Ende vom ESC 2014? An der Rezeption habe ich Lars gefragt ob er einen Reparatur-Service organisieren könne. Sehr hilfsbereit hat er sich erkundigt und auch jemanden gefunden der dieses Problem anschauen würde. Wie das in der Not ist, musste eine Garantie der Bezahlung abgegeben werden, bevor sich auch nur jemand bewegte. Kurz nach zwölf Uhr erschien dann ein Mann indischer Abstammung und begrüsste mich freundlich. Er konnte den Fehler auch schnell beheben und mein Laptop funktionierte wieder. Als ich ihn dann nach dem Preis für seine Hilfe gefragt habe wurde mir eine bis anhin noch nie erlebte Hilfsbereitschaft entgegengebracht, dass es mich beinahe aus den Latschen gehauen hat. "Sie sind Gast in meinem Land und dafür werde ich keine Bezahlung nehmen" - ich war mehr als nur überrascht, denn damit hätte ich niemals gerechnet. Freundlich überreichte er mir eine Visitenkarte und meinte, sollte ich noch einmal ein Problem mit dem Laptop haben würde er mir sehr gerne wieder helfen.

Durch die oben geschilderten Umstände war es mir nicht möglich alle Proben von heute ansehen zu können. Zur Schweiz hat es dann wider erwarten doch gereicht. SEBalter und die ganze Truppe um ihn herum sind sehr beweglich, das Statische ist völlig verloren gegangen. Obwohl dies über den Bildschirm nicht so gut zu beurteilen ist, hatte ich trotzdem den Eindruck, dass es Allen Spass macht. Da ich den letzten Probedurchgang nicht mehr verfolgte erfuhr ich trotzdem, dass der Auftritt mit Pyrotechnik unterstützt wird. Wir dürfen also noch gespannter sein als was wir sonst schon sind, wie der sympatische Tessiner beim Publikum ankommen wird.

Im Meet & Greet, welches gute zwei Stunden später stattfand konnten Sebastiano Fragen gestellt werden. Die Presse und Fans wollten natürlich auch noch exklusive Interviews und die obligatorischen Fotos machen. Ich habe mich da auch angestellt um eine Erinnerung mit der ganzen Truppe zu haben. (Foto erstmals nur auf Facebook). Morgen werde ich auch noch in die isländische Botschaft zu einem Empfang gehen. Im Pressecenter wurde mir von Head of Delegation eine Einladung übergeben. Da konnte ich nicht Nein sagen und werde mich morgen trotz vollen Programm zur Isländischen Botschaft begeben.

Mittlerweile ist auch Rumänien mit ihrer Probe fertig geworden. Somit schliesst ein Probetag und morgen haben wir frei. 1. Mai 2014 Tag der Arbeit. Da kann ich mich dann noch etwas mehr der Schönheiten der Stadt widmen. Doch heute ist noch nicht zu Ende. Mehr bald auf dieser Seite.

Die Fahrt in die Innenstadt konnte ich mit Teilnehmern der norwegischen Delegation im Shuttle-Bus machen. Wobei der "Silent Storm" Carl Epsen eine Reihe vor mir sass. Ich bin dann auch eine Station früher ausgestiegen um noch etwas die Beine vertreten zu können, da läuft mir doch gleich bei einem benachbarten Hotel Kasey Smith von Can-Linn aus Irland, welche dort in einem 4 Sterne Hotel einquartiert sind über den Weg. Somit hatte ich heute nicht einmal geplante schöne Begegnungen mit ein paar Interpreten.
Donnerstag, 1. Mai 2014

Ein sonniger Tag und erst noch ohne Proben, da lohnt es sich doch einen ausgedehnten Rundgang durch die Stadt zu machen. Mit Videokamera und Fotoapparat bewaffnet habe ich mich also auf den Weg gemacht. Da ich schon früh unterwegs war habe ich mich gewundert, dass das Tivoli - der älteste Vergnügungspark Europas inmitten einer Stadt - noch nicht geöffnet hatte. Es lag auch nicht am Tag der Arbeit, sondern an den ganz regulären Öffnungezeiten welche erst um 11.00 Uhr beginnen. Die Strassen waren auch verhältnismässig leer - dies war aber ganz bestimmt auf den 1. Mai zurückzuführen.

Erneut habe ich die Fan-Meile, welche die ganze Kopenhager Fussgängerzone beinhaltet, abgeschritten mit dem Ziel Nyhavn. Durch die Erweiterung der U-Bahn in Kopenhagen sind viele schöne Plätze welche ich ganz anders in Erinnerung habe völlig verstellt und mit Bauzäunen abgeriegelt. Auch ein Kunstwerk an welchem sich die Passanten beteiligen konnten. Und schon habe ich wieder einen Interpreten mit der ganzen Entourage entdeckt. Diesmal war es die Ukraine mit Mariya Yaremchuk. An der schwarzen Wand verewigte sie den sehr schnell vergänglichen Spruch "Proud to be Ukrainian". Auf einer Leiter drehte sie die farbigen Plättchen um bis der Satz stand. Lange hielt er den Zuschauern und vor allem den Kindern nicht stand, denn die wollten mt diesen umklappbaren Farbelementen spielen. Nicht desto trotz konnte ich Mariya noch zu einem Foto überreden.

Am bekannten Nyhavn vorbei in Richtung Amalienburg, wo gerade die Wachablösung zelebriert wurde. Im Gegensatz zu London konnte man dies sehr Nahe, nur durch ein paar Polizisten abgeriegelt erleben. Dann weiter in den Churchill Park bis zur kleinen Hafenfrau. Die obligatorischen Fotos habe ich natürlich auch geschossen, diesmal mit der Event Halle des Eurovision Song Contest 2014 im Hintergrund. Die Blütenpracht und die vielen sehr unterschiedlich gekleideten Menschen, die einen beinahe schon sommerlich ohne Socken in Flip-Flop's, die anderen jedoch noch in Daunenjacken verhüllt, für jeden gab's was.

Vier geschlagene Stunden bin ich zu Fuss in der Stadt rumgelaufen und habe dabei auch noch andere Fans getroffen, etwas geplaudert bis ich dann zurück ins Hotel ging um mich für den Empfang bei Isländischen Botschafter vorzubereiten. Um nicht aus dem Rahmen zu fallen habe ich mich in den mitgenommenen Anzug gestürzt und bin zu Fuss in Richtung Botschaft, welche sich in Frederiksberg befindet, zu begeben. Erneut bin ich über eine Stunde in Richtung Botschaft gelaufen. Zu finden war diese nicht so leicht wie ich mir das vorgestellt hatte. Wer suchet, der findet und so bin ich 5 Minuten nach der offiziellen Eröfnung auch eingetroffen. Die Begrüssung mit Handschlag des Botschafters war herzlich und auch der Head of Delegation der Isländischen Delegation hat mich willkommen geheissen.

Nach einer sehr kurzen Ansprache des Botschafters wo es vor allem darum ging, dass er sein Indoor-Pool abdecken musste um die Bühne für Pollapönk zu errichten hat der Head of Delegation das Wort ergriffen und die Band mit deren zum Teil kaum aussprechbaren Namen vorgestellt. Ein paar Häppchen und Getränke wurden den Gästen auch serviert. Dann stellte sich die sehr bunte Truppe vor und schmetterte auch gleich den Eurovision-Beitrag "No Prejudice". Danach gab's noch einen Isländischen Song und danach zu unser/meiner Verwunderung auch noch eine Ballad Version des diesjährigen Beitrages. Dieser erntete sehr viel Applaus. Für alle die die Partys der achziger und neuziger Jahre noch kannten, hielt es sich sehr bescheiden. Trotzdem bekamen die geladenen Gäste die Möglichkeit mit den Interpreten zu sprechen und allenfalls auch noch ein Foto mit ihnen schiessen zu lassen. Nach zwei Stunden war der Empfang zu Ende und ich konnte mich wieder auf den Weg, diesmal mit dem Bus in die Innenstadt, machen.

In einem All you Can Eat Restaurant habe ich zusammen mit einem Deutschen Fan das Nachtessen eingenommen. Heute Abend steht für mich ganz klar der Euro-Club im Fokus, wird doch SEBalter um ca. Mitternacht auftreten. Das möchte ich mir nicht entgehen lassen. Doch es kam ganz anders, noch schnell eine Stunde hinlegen und erst um vier Uhr in der Früh erwachen, so ein Pech - aber vielleicht gerade das was mein Körper gebraucht hat.
Freitag, 2. Mai 2014

Heute werden alle Interpreten des 1sten Semi-Finals die zweite Probe absolvieren. Zusätzlich wird auch die Halle für die Akkreditierten geöffnet. Die lässt einem vor allem das Feeling vor Ort noch besser fühlen. Der Fernsehzuschauer wird jedoch davon nur bedingt etwas mitbekommen, denn die Show am Fernsehen ist nicht mit der Stimmung in der Arena zu vergleichen.

Etwas hölzern kommt der armenische Beitrag rüber, auch der Interpret Aram Mp3 ist zwar nicht "Not Alone" aber doch erher etwas verloren. Da kommt doch viel mehr Stimmung auf bei den lustigen Letten die die Sache vordergründig nicht so ernst nehmen, trotzdem ihr Bestes geben und mit dem Song "Cake To Bake" das Publikum binnen Sekunden in den Bann ziehen. Die Hebefiguren von Estland sind ein gewagtes Stück, denn wenn da was schiefgeht ist die Performance im Eimer. In der Pressekonferenz hat Tanja auch gesagt, dass beim Üben der eine oder andere blaue Fleck resultierte und ihre Beine oftmals im Gesicht ihres Tanzpartners landeten. Hoffen wir mal dass dies nicht passieren wird.

Sanna Nielsen, die von den Clubs hochfavorisierte schwedische Interpretin kann auf viele Fans hoffen. Ob das das Gesamtpublikum auch so sehen und vor allem honorieren wird bleibt zur Zeit noch offen. Es ist ein schöner Song, der jedoch nicht ganz so schnell im Ohr haften bleibt. Nichst desto trotz wird sie es bestimmt ins grosse Finale schaffen und dort einen guten Platz machen. Bunt geht es bei den Isländern zu. Jeder Protagonist ist in eine individuelle Farbe gehüllt. Es macht einfach Spass den etwas eingensinnigen Song zu hören. Was diese sechs, alle bärtigen Männer, auf der Bühne bringen wird auf jeden Fall in Erinnerung bleiben, und das ist was zählt. In der anschliessenden Pressekonferenz waren sie in exact denselben Farben gekleidet, diesmals jedoch à la Udo Jürgens je in einen Morgenmantel gehüllt.

Am Abend sind wir noch in ein asiatisches Restaurant zum Essen gegangen. Kaum mit dem Essen begonnen, kam auch noch die Delegation aus Moldawien in dieses Restaurant. Das Angebot war nicht beauschend aber qualitativ doch gut. Danach stellte sich die Frage was mit dem angebrochenen Abend noch angefangen werden kann. In eine Bar oder den Euro-Club. Meine Kollegen haben sich für den Euro-Club entschieden und ich für's Bett.
Samstag, 3. Mai 2014

Der Dauerregen in der Schweiz scheint nicht abzureissen, deshalb freut es mich umso mehr hier in Kopenhagen jeden Tag mit Sonnenschein geweckt zu werden. Heute wird das Progamm wieder voll sein, denn alle Teilnehmer des zweiten Semi-Finals werden ihre zweite Probe absolvieren. Gespannt werde ich natürlich um 17:00 Uhr die Performance von SEBalter verfolgen. Das Presse-Center füllt sich auch von Tag zu Tag mehr. Es wird schon schwieriger einen guten Platz zu finden, okay ich bin jeweils früh da und kann noch aussuchen. Zum ersten Mal wird es auch eine Pressekonferenz mit einer australischen Künstlerin geben, diese wird im zweiten Semi-Final den Interval-Act bestreiten. Die Menschen von Down Under scheinen ja völlig auszuticken beim Gedanken an den Eurovision Song Contest, da es eine Veranstaltung dieser Art in Australien nicht gibt. Wir dürfen gespannt sein.

Malta wird das zweite Semi-Final eröffnen und macht textlich mit dem Jahr 1914 also hundert Jahre 1. Weltkrieg auf sich aufmerksam. Der Lead-Sänger hat auch Militärdienst geleistet und kann nachvollziehen, was es heisst von den Liebsten getrennt zu sein, oder noch schlimmer einen Menschen im Krieg verloren zu haben. Israel ist mit einer wesentlich grösseren Truppe an die Pressekonferenz gekommen. Obwohl in Israel schon ein Star, hat Mei vor 4 Jahren ihr letztes Album veröffentlicht. Seither ist sie am Theater und Musical beschäftigt und möchte nun mit der Gelegenheit des Eurovision Song Contest auch ihre gesangliche Karriere wieder anschieben. Auf die Frage eines Russischen Journalisten, ob sie auch Sänger bzw. Lieder aus Russland kenne, lenkte sie sehr diplomatisch ein dass sie sehr viele Russen und Ukrainer in Israel kenne und als Freunde habe.

Carl Espen ist eher unscheinbar und auch nicht sonderlich "outgoing" wie man zu Neudeutsch sagen würde. Er hat die Qualitäten in der Stimme die er für seinen "Silent Storm" sehr gekonnt einsetzt. Nicht Euro-Trash und Bum bum, sondern mit leisen Tönen wird der Norweger das Publikum in seinen Bann ziehen. Mit dem Beitrag aus Georgien kann ich auch nach der zweiten Probe noch immer nicht so viel anfangen. Die Stimmen sind zwar genial, jedoch weder Melodie noch Text ist für mich fassbar. Die aufgesetzte Show des polnischen Duos zwischen Folklore und Moderne ist nicht meins, was aber nicht heissen will, dass dies bei Publikum nicht seinen Anklang finden wird. Wurden die Protagonistinnen aus Polen doch echt gefragt, ob sie bei der Oberweite nachgeholfen hätten. Was natürlich verneint wurde. Dass der Stil den polnischen Beitrages vor allem in den Slawischen Ländern gut ankommt ist klar, dass es jedoch zu einem sogenannten Röstigraben zwischen Ost und West kommt ist in einem Liederwettbewerb doch eher unüblich.

Rumänien ist mit dem Rundklavier aufgefallen, kannte man Ovi & Paula Seling bis dato immer mit zwei Flügeln. Der Stil des Songs unterscheidet sich aber nicht gross vom früheren Beitrag. Trotzdem ist dieser Beitrag nicht zu unterschätzen. Ein Finalplatz denke ich mir ist für Rumänien schon gesichert. Aua, schon wieder ist mir im Presse Konferenz Halle (Zelt) eine Rollstuhlfahrerin über die Füsse gefahren. Dies nicht zum ersten Mal, ich habe schon den Eindruck dass die das extra macht. Nein quatsch aber sie hat es heute bereits zweimal geschafft beim Fotoshooting der Künstler mit ihrem Rollstuhl auf meinen Füssen zu parkieren.

Die Rückfahrt mit dem Shuttle-Bus gestaltete sich auch wieder etwas schwierig. Zum ersten Mal war der Bus bis auf den letzten Platz besetzt, sogar Stehplätze gab's heute. Die Busfahrer nehmen immer wieder neue Routen in die Stadt zurück und haben heute sogar vergessen an einer ausgeschriebenen Haltestelle anzuhalten um mich rauszulassen. Dies hiess im Klartext noch einmal 20 Minuten länger in dieser Schaukel durch Kopenhagen fahren bis dann endlich die Endstation erreicht wurde. Eigentlich wollte ich heute in den Club gehen um die Nordischen Länder, welche sich dort präsentierten, zu sehen. Habe mich dann jedoch dagegen entschieden.
Sonntag, 4. Mai 2014

Trotz Sonne ist es nun auch in Kopenhagen kühler geworden. Ohne sich qualifizieren zu müssen werden heute die 5 grossen Nationen und das Siegerland des letzten Jahres und diesjähriges Austragungsland in die ersten Proben begeben. Da noch nicht bekannt ist mit welchen Startnummern diese auftreten werden ist die Reihenfolge der Proben zufällig ausgewählt. Den Anfang machte unser nördlicher Nachbar, Deutschland. Es wird auch ein gekünstelter Hype um die drei Damen von Elaiza gemacht. Man könnte meinen das die Neuentdeckung, vor dem Deutschen Vorentscheid kannte sie kaum jemand, bereits ein grosser Akt wäre. Vielleicht wurden die jungen Damen auch so getrimmt in die Leere zu starren wenn sie an einem vorübergehen, dies macht sie leider nicht sympathischer.

Obwohl Molly noch nicht ganz alle Töne getroffen hat, ob es an ihr gelegen hat oder der Technik kann ich nicht beurteilen, kommt der Beitrag aus dem Vereinigten Königreich gut auf dem Bildschirm rüber. Auch hat sie sich freundlich und nett am Meet & Greet präsentiert. Auf jeden Fall gefällt, zu der eigenständigen Stimme mit grossen Wiedererkennungswert, der perfekt arrangierte Backgroundchor. Die Stimmen werden super eingesetzt. Die auf Fun getrimmten Franzosen von Twin Twin mit ihrem "Moustache" sorgen zwar für Belustigung, aber ein wirklicher Hit wird dies wohl nicht werden.

Dass der Auftritt von Basim bei den Anwesenden gut ankommen wird war abzusehen. Das Gastland hat bei den anwesenden Fans und der Presse ein sehr gutes Echo gefunden. Die Choreographie wurde nicht viel geändert seit dem nationalen Finale in Odense. Bereits nach dem Refrain haben die Leute mitgesungen und getanzt. Es könnte der heimliche Siegersong à la Bruno Mars sein. Eingängig und nicht mehr aus dem Ohr zu bringen, das könnte das Rezept sein.

Italien macht sich mit Emma Marrone à la Gianna Nannini auf für ihr Heimatland den Sieg zu holen. Dieser Titel könnte mit "La mia cittá" die unsterbliche Stadt Rom sein. Kommt sehr gut auf den Bildschirmen rüber und hat das Potenzial einen guten Platz abzustauben. Ruth Lorenzo welche für Spanien die letzte Probe absolvierte steht im Regen und das nicht negativ gemeint. Ihr Titel "Dancing In The Rain" wird visuell super unterstützt. Mit ein paar Tönen die schief rüberkamen hat dieser Song die grössten Chancen der bestplatzierte direkt qualifizierte Beitrag zu werden. Der Titel sollte jedoch noch mehr in Spanischer Sprache gesungen werden, da kommt mehr Gefühl auf, dass der Refrain in Englisch ist stört dabei kaum. Mal sehen wie sich das noch entwickelt.

Das Presse-Center leert sich langsam aber stetig, denn schon bald beginnt die Zeremonie der Roten Teppichs vor dem Rathaus in Kopenhagen. Ich werde mal schauen ob ich auch noch ein paar Blicke dieses Events erhaschen kann. Nach dem Roten Teppich ging es dann zum Italiener zum Nachtessen. Heute schaffte sogar ich es in der Euroclub zu gehen. Dieser Vorstoss meinerseits hat sich mehr als gelohnt. Kaum im Club angekommen wurde die Spanische Sägerin Ruth Lorenzo angesagt welche ihren wunderschönen Song "Dancing In The Rain" vorgetragen hat. Amazing Grace der Background-Sängerinnen präsentierte sich auch in einer schönen Version und dass Ruth noch mehr als Balladen singen kann zeigte sie in ihrem zweiten Song der doch etwas rockiger abging. Das Publikum war von der schönen Spanierin hell begeistert und foderte noch mehr, doch es blieb bei den zwei Songs.

Inzwischen ist auch die Schweizer Delegation im Club eingetroffen. Zur beinahe kompletten Crew von Sebalter hat sich auch noch Sven Epiney und Raphael Antonio gesellt, Patric Scott konnte ich nicht finden. Alle scheinen sich prächtig zu amüsieren und tanzen zu den vom DJ aufgelegten Eurovisions-Klängen. Stark abfallend war jedoch der nächste Live-Auftritt von Twin Twin aus Frankreich, vielleicht bin aber auch ich einfach zu alt für diesen Stil von Musik. An "Moustache" habe ich mich nun gewöhnt, doch die Songs aus ihrem Album haben auch das Publikum nicht mitgerissen. Hersi die Vertreterin Albaniens eröffnete ihren Auftritt mit dem Houston Hits "I will always love you" welchen sie erstaunlich gut präsentierte. Mehr Spass hat dem Publikum aber ein ehemaliger Albanischer Beitrag "The Image Of You" gemacht. Abgeschlossen hat Hersi ihren Auftritt mit "One Night's Anger" dem diesjährigen Beitrag.

Zwischendurch wurden immer wieder mit House unterlegte Songs des diesjährigen Contests vom DJ aufgelegt. Schon weit über Mitternacht traten dann die drei Jungs aus Griechenland auf. "Rise Up" hiess es dann für's Publikum. Diese Jungs trugen an diesem Abend für die Stimmung bei. Ausser ihren Wettbewerbsbeitrag, wurden auch noch Emmelie de Forests Hits "Only Teardrops" in einer noch ungehörten Version vorgetragen, auch "Euphoria", "My Numer One" und einige auch nicht eurovisionsgelagerte Hits wurde in der von Freaky Fortune feat. Risky Kidd Manier das Publikum bei Stimmung gehalten und das schafften die drei locker.

Mir hat der Abend so gut gefallen, dass ich erst um 1:30 Uhr aus dem Euro-Club gegangen bin, gleichzeitig haben sich auch die Mitglieder der Scheizer Delegation auf den Weg ins Hotel aufgemacht. Ein toller Abend mit guter Musik ging zu Ende.
Montag, 5. Mai 2014

Heute geht es zum ersten Probedurchlauf in die Halle. Diese jedoch zu erreichen gestaltet sich immer schwieriger. Da die Halle nicht wirklich erschlossen ist, werden auch die Verkehrsströme immer dichter und es führt zu Staus. Für alle Besuche der Show ist angeraten sehr, sher viel Zeit für die Anreise zu planen, da es zu einer riesigen Schlange von Menschen kommen wird was die Wartezeit erhöht und vielleicht auch die Nerven etwas strapazieren wird. Anstelle von einer Stunde mit dem Shuttle-Bus hatten wir schon heute 1 1/2 Stunden. Was für uns als Besucher auch nicht nachvollziehbar ist, ist dass je nach Busfahrer eine andere Route gewählt wird.

Endlich angekommen habe ich in der Press-Lounge Ralph Siegel getroffen. Er hat mir ohne zu fragen gleich erzählt, dass er seit vier Tagen krank ist und von unten bis oben mit Medikamenten vollgepumt. Er hätte noch nie an einer Probe nicht teilnehmen können, doch in diesem Jahr sei es wirklich passiert. Er fühle sich nicht wohl, werde aber seinen Part vom Beitrag San Marino's am Flügel wahrnehmen. Auf meine Frage ob das ein schlechtes Omen sei, wich er aus und stellte mir den Mitkomponisten des Beitrages vor.

Um 15:00 Uhr wird die Probe beginnen, so machte ich mich mit ein paar Freunden des OAGE Israels auf den Weg in die Halle. Von aussen eine Bretterwand aus Spanplatten, jedoch dahinter eine schön gestaltete Bar und das in der Halle eingerichtete Studio ist vom Feinsten. Das Publikum wird natürlich nur die Schoggiseiten zu sehen bekommen. Gut, schlimm ist es nicht, aber man hätte doch etwas mehr erwartet.

Die Show wird von Emmelie de Forrest, der Vorjahressiegerin eröffnet. Sie wird von einem riesigen Chor unterstützt. Danach wird die Leitung den drei Präsentatoren übergeben. Etwas hölzern sind deren Ansagen und wenn man jemanden haben muss der auch der Französischen Sprache mächtig ist, dann bestimmt nicht der dafür vorgesehene Präsentator. Nun es dauert ja noch einen ganzen Tag bis zur Show, da kann man noch viel lernen.

Armenien haut bei Eröffnungsakt mit viel Feuer und Bum Bum den Zuschauer gesetzeren Alters vor den Entscheid wegzuzappen oder doch auszuharren und eher dem Alter entsprechende Songs abzuwarten. Dem jungen Publikum wird dies jedoch gefallen doch ist ausser Aram Mp3 nicht viel zu sehen. Nicht einmal die Backgroundsänger welcher am Bühnenrand platziert sind, sind zu sehen. Da kommt doch beim zweiten Song aus Lettland etwas mehr Freude auf. Lustiger Text, lustige Gruppe und ein Refrain den man schon nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Kopf bringt. Mit "Cake To Bake" wird nicht die Spassfraktion, sondern die Fraktion der leichten Muse bedient. Zwischen den Beiträgen wird jeweils eine Postkarte gezeigt, in welcher die Interpreten mit Materialien derer Wahl die Landesflagge erstellen und davon ein Foto machen.

Tanja aus Estland gefällt mit musikalisch sehr gut, jedoch die artistische Umsetzung funktioniert überhaupt nicht und bringt die Sängerin bisweilen ausser Atem. Zu artistisch, vielleicht um die Schwachpunkte im Song zu kaschieren? Ich weiss es nicht. Sanna aus Schweden wird mit ihrem "Undo" hervorragend umgesetzt. Auf einem Podest mit einem zusätzlichen Scheinwerferring von unten wird die Schwedin extrem gut ins Licht gesetzt. Der leise Anfang wird in eine Explosion der Töne hochgeschaukelt und findet wie ein Vulkan auch ein langsames zurückgehendes Ende. Herrvorragend umgestetzt sowohl der Song als auch die visuellen Teile.

Mit Island schlägt nun doch noch die Spassfraktion zu. Die sechs Progatonisten, jeder in seiner individuellen Farbe gekleidet, machen normalerweise Punk-Rock und nicht wie die bevorstehende Klamauk-Nummer. Da ist man sich nicht immer sicher am Eurovision Song Contest zu sein. Aber man soll ja keine Vorurteile haben, so auch der Song "No Prejudice" von Pollapönk. Hersi, die zierliche Albanierin wird auch einem hohen Podest präsentiert. Der Song ist etwas schwerfällig und nicht und geht auch gleich nach dem Auftritt wieder vergessen. Mit einer Russisch-Griechischen Komposition, versuchen es die Russen in diesem Jahr. Um von eher schwächeren Song abzulenken wurde auf der Bühne eine Wippe wie man sie von Kinderspielplätzen kennt aufgebaut. Die Choreographie und der Song werden in Einklag gebracht aber der beste Wurf ist es dennoch nicht.

Sind wir im Zirkus oder am Song Contest. Diese Frage darf man sich bei Aserbaidschan getrost stellen. Ich kann mich nicht dafür erwärmen einen Zusammenhang mit einem Trapez und dem Song "Start A Fire" zu erkennen. Etwas melancholisch die Meodie welche durch typisch Aseri Instrumente unterstützt wird, muss aber ehrlich gestehen, dieser Beitrag hatte ich noch vor Beendigung dieser Show vergessen. Für gelungene und gute Umsetzungen der Songs ist die Ukraine bekannt. Auch in diesem Jahr wird Mariya Yaremchuk sehr gut unterstützt. Es mag etwas befremden dann ein Mann in einem Hamsterrad im Hintergrund den Song "Tick-Tock" unterstützt. Aber es geht wunderbar auf mit diesem Artisten im Hintergrund. Hier ist es gelungen das Rundherum in den Song unterstützend zu integrieren. Hat etwas von der wunderbaren Umsetzung von Farid aus Aserbaidschan in seinem Glaskontainer, aber eben doch etwas Anderes.

Axel Hirsoux mit seiner Lied zu Ehren seiner/aller Mütter "Mother" kann mit seiner Stimme überzeugen. Der Song ist aber eher etwas schwülstig und anbiedernd. Könnte jedoch den Müttern sehr gut gefallen und da der Muttertag in nächster Nähe ist, vielleicht nicht so schlecht ausgewählt. Was "Wild Soul" mit einer Interpretin anstellt welche aus Moldawien kommt kann ich nicht nachvollziehen. Vor allem als sie ein Haarteil während der Performance ausreisst. Ich habe den Sinn hinter dieser Umsetzung nicht gefunden. Nun wird es noch etwas biederer, der Beitrag aus San Marino, komponiert von Ralph Siegel, ist schön gemacht aber viel zu Statisch auf der Bühne. Ein Pinanist rechts aussen, eine Interpretin im Zentrum und vier Chorsänger/innen auf der rechten Seite ohne den Hauch einer Bewegung, oder eben den klassischen Wippen mit den Armen und den typischen Hand/Armbewegungen.

Aus Portugal kommt etwas Farbe und Bewegung ins Spiel. Mehr als nur etwas traschig ist die Interpretin "Suzy" zusehen. Aber wenigsten ist dies der Zeitpunkt vor der Fernsehzuschauer wirder auf den Schirm guckt. Und damit hat sie schon viel erreicht was andere Interpreten krampfhaft versuchen. Obwohl ich mir anfänglich nicht sicher war ob ich diesen Beitrag Hassen oder Lieben soll, kann ich mir nach dem Auftritt heute gut vorstellen, dass Portugal es ins Finale schaffen könnte. Sehr gut umgesetzt wird auch der Beitrag aus der Niederlande. Mit diesem Mittelstreifen der Autobahn auf der Bühne und den beiden speziellen sehr gut harmonierenden Stimmen. Auch leise Töne bleiben haften und so wie es mir ging könnte es auch vielen der Zuschauer gehen. Montenegro wird in diesem Jahr wohl den besten Beitrag seit der Teilnahme dieses Landes abliefern. Dies obwohl es sich um eine Kopie eines ehemaligen Serbischen Beitrages handelt - kein Plagiat wohlverstanden - aber doch sehr sehr stark angeleht. Ist es doch immer noch besser etwas Gutes zu kopieren, als selbst was Schlechtes zu Produzieren.

Mit Ungarn und dessen Sänger Andàs wird das erste Semi-Final beendet. Laut und auch hier mit viel Bum Bum wird der Kreis der Eröffnung wieder geschlossen. Ob Andràs mit "Running" wirklich dem prognostizierten Sieg nachrennt, ich kann mich noch immer nicht festlegen. Auf jeden Fall wird es es in das grosse Final schaffen.

Ich persönlich werde mir nun keine Probe mehr anschauen bis zum wirklichen Live-Semi Final 1 von morgen. Ich werde meine Gedanken dazu noch sortieren und vielleicht auch noch eine Prognose abgeben, wer es denn nun aus diesem 1. Semi-Final in das Grosse Finale vom Samstag schaffen wird.
Dienstag, 6. Mai 2014

Heute wurde der Eurovision Song Contest von einem tragischen Unfall überschattet. In einem Inbisswagen direkt vor dem Eingang der Halle ist eine Gasflasche explodiert. Was zuerst nach einem Anschlag aussah entpuppte sich als folgenschwerer Unfall bei welchem sich der Inbissbudenbesitzer lebensgefährliche Verletzungen zuzog. Die Ambulanz hat ihn sofort in ein Spital überführt. Wie der Zustand des Verunfallten ist, wurde bis jetzt nicht mitgeteilt.

Hilfe benötigte auch die Albanische Sängerin Hersi. Ein Mitglied unseres Club's albanischer Abstammung hat für die Sängerin am Nachmittag neu Strumpfhosen einkaufen müssen/wollen. Doch auch mit den neuen Strumpfhosen schaffte es die zierliche Sängerin am Abend nicht ins Finale.

Ausser den zweiten Proben der direkt qualifizierten und deren anschliessenden Pressekonferenzen gab es heute nicht viel Neues. Immer wieder ist es zu Menschentrauben gekommen wenn z.b. Verka Serducka oder die Zwillinge von Jedward in der Presse-Loge aufschlugen. Hier konnte ich auch ganz unformell mit Jan Ola Sand dem Excecutive Supervisor des Song Contest's ein paar Worte wechseln. Auch Tanja von Estland konnte auf den Schaukeln in der Lounge gesehen werden und Andràs aus Ungarn zeigte sich vor dem OGAE Stand und Aram Mp3 führte noch ein Interview mit heimischen Medien.

Organisation scheint nicht unbedingt das Steckenpferd der Dänen zu sein. Ich hatte mich dazu entschlossen in der Presse-Kantine zu essen, doch das wurde zu einer endlosen Warterei. Obwohl das warme Essen ab 16:00 Uhr auf der Karte stand, wurde ich schon mal vorsichtig auf 16:30 Uhr vertröstet, dann auf 16:45 Uhr und danach 17:15 Uhr. Ich bin doch nicht im Süden habe ich mir gedacht, da heisst es ja vielfach "Mañana". Letzendlich habe ich es dann doch geschafft zu meiner Lasagne zu kommen. Noch einigermassen nett angerichtet doch geschmacklich hat mich dies nicht aus den Socken gehauen.

Die Menschtrauben in der Zubringerstrassen werden immer länger und auch die Autos und Busse fahren jetzt neue Strecken um den Verkehr möglichst flüssig zu halten. Ein Ding der Unmöglichkeit, da es ja nur einen Landweg zum Eurovision Island gibt. Ob sich alle rechtzeitig in der Halle platzieren konnten entzieht sich meiner Kenntnis. Auf jeden Fall muss bei einem erneuten Song Contest in Kopenhagen noch viel, vor allem was Transport und Infrastrktur anbelangt, gearbeitet werden.

Pünktlich um 21:00 Uhr erklingt die Eurovisions-Fanfare. May the show begin. Der Opening-Act wurde beklatscht was dann erst wieder bei Schweden wirklich zu einem Höhepunkt kam. Die Kurzfilmchen (Postkarten) der Interpreten bei welchem aus verschiedenen Materialien die Landesflaggen hergestellt wurden waren zum Teil sehr kreativ aber auch sehr einfach, aber trotzdem unterhaltsam. Mit dem Interval-Act konnte ich nur bedingt etwas anfangen, war nicht nach meinem Gusto.

Eine Überraschung hingegen gab es bei der Verkündigung der Qualifikanten. San Marino hat es geschafft, Valentina welche doch in all den Portalen als letzter Platz prognostiziert wurde hat es ins grosse Finale geschafft. Eine Genugtuung für Ralph Siegel der für diesen Titel "Maybe" verantwortlich zeichnet. Zum Politikum ist es gekommen als Russland angekündigt wurde. Ein Buuh-Konzert ertönte in der Halle, was beim Nachbarn Ukraine in einen Sturm der Begeisterung und Applaus endete. So zeigten die Zuschauer ganz deutlich, dass sie politisch mit dem Vorgehen Russlands gegen die Ukraine nicht einverstanden sind.

Letztendlich schatte es Armenien, Schweden, Island, Russland, Aserbaidschan, Ukraine, San Marino, Niederlande, Montenegro und Ungarn ins grosse Finale vom Samstag. Somit sind vor allem die Ost-Staaten berücksichtigt worden. Mit der Ulknummer aus Island hätten wohl nicht viele gerechnet. Wie auch immer die technisch und auch optisch gut umgesetzte Show lässt das Fanherz höherschlagen und gespannt auf das zweite Semi-Final warten, welches aus Schweizer Sicht natürlich noch interessanter ist.
Mittwoch, 7. Mai 2014

Der Wetterumschwung hat nun auch Kopenhagen erreicht. Obwohl es gefühlt wärmer geworden ist regnet es. Und wir alle könnten "Dancing In The Rain" um es mit Ruth Lorenzo's Titel zu bezeichnen. Das Wetter das einem nicht sonderlich nach draussen zog wurde aber bald wieder abgelöst und mit wolkig bis teilweise sonnig abgelöst. Also auf keinen Fall ist Frustschieben angesagt.

Heute geht es ja um zwei Proben, wobei eines bereits da Jury-Final für das 2. Semi-Final sein wird. Somit ist SEBalter heute gleich zweimal gefordert seinen Auftritt in Perfektion hinzulegen. Ich habe auch keine Zweifel daran, dass er das meistern wird. Doch vorerst noch einen kleinen Spaziergang in der Stadt bevor ich den Shuttle-Bus in Richtung Halle bestieg. Es ist einfach sehr zeitaufwändig dieses Pendeln zwischen der Halle und dem Stadtzentrum. Verkehrstechnisch hat es heute jedoch nicht schlecht ausgesehen. In knapp einer Stunde erreichten wir die von aussen wirklich nicht schön anzusehende Halle, das macht auch die aufgehängte Fahne an der Betonfassade nicht viel her.

Doch jetzt ist erstmal die Probe angesagt. Die Eröffnung mit dem Tanzensemble wird von der sehr gut gefüllten Halle mit sehr viel Applaus bedacht. Die Präsentatoren, noch immer etwas sehr steif, konnten die Menge nicht so begeistern. Doch es kommt ja in diesem Wettbewerb auf die Songs und nicht auf die Präsentatoren an, obwohl die zu einer Auflockerung gedacht sind.

Mit Malta und der Gruppe Firelights wird das zweite Semi-Final eröffnet. Eine eingängige Melodie mit guten Stimmen und dem Wunsch, dass alle die aus welchen Gründen auch immer in den Krieg ziehen wieder wohlbehalten nach Hause kommen. "Coming Home" wird dem Publikum gefallen die auf schöne Harmonien stehen. Israel kommt da schon mit etwas härteren Tönen auf uns zu, dies obwohl sie uns in der Startsequenz den Rücken zudreht. Dieser Titel konnte noch mehr Applaus vom Hallenpublikum einheimsen. Und nun wird es ganz leise, Carl Espen aus Norwegen - begleitet von 4 Violonistinnen, singt seinen "Silent Storm". Das Publikum ist ruhig und hört bis zum letzten Ton zu. Danach wird dieser Beitrag mit tosendem Applaus verabschiedet.

Nun kommt eine der eher skturilen Nummern auf die Bühne. Mit einem Hängegleiter bewaffnet macht sich die Gruppe aus Georgien auf die Gunst des Publikums zu erobern. Was das Fernsehpublikum dazu sagen wird, wird man am Donnerstagabend sehen, in der Halle wurde nur sehr verhalten applaudiert. Mit mehr Pepp kam danach die Gruppe aus Polen auf die Bühne. Oberkörper betont setzt sich die Combo Conatan & Cleo in Szene. Da wird mit einem Butterfässchen Butter gemacht und trotzdem sehr jung und frech mit eher traditionellem vermischt. Der Übergang von Folklore zu Modern wird zwar gut gemacht doch irritiert der Wechsel dieser beiden Musikstilrichtungen etwas.

Mit einem Experiment der anderen Art wird Österreich auftreten. Conchita Wurst, die Dame mit bewusst getrimmten Damenbart will wie Phoenix aus der Asche aufsteigen. Der Song "Rise Like A Phoenix" passt wohl eher zu einem James Bond 007 Streifen als zum Song Contest. Dieser Beitrag wird die Zuschauer am meisten spalten. Völlig dagegen, die Konservativen, und Feuer und Flamme die Trash Fraktion. Ob Mann ob Frau wer weiss das so genau, mit dieser Kunstfigur für mehr Toleranz zu werben ist in einem Familienprogramm doch eher etwas gewagt. Dem Publikum in der Halle hat es gefallen, aber das ist nur ein kleiner Prozentsatz der Zuschauer von morgen Abend. Mit weit abgespreitzen Tütü tritt die Sängerin aus Litauen an. Will sie bloss "Attention" oder malt sie sich einen Finaleinzug aus? Erinnert outfittechnisch in abgespeckter Form an den Auftritt Griechenlands in Tallinn 2002.

Das vor allem junge Publikum flippte bei den Jungs aus Finnland völlig aus. Die Boygroup Softengine mit ihrem Song "Something Better" scheint sein Zielpublikum gefunden zu haben. Mit einem soliden Auftritt und anhaltendem Applaus konnten die Finnen das Publikum einsacken. Irland, das Land welches den Song Contest bisher em meisten gewonnen hat versucht es mit Can-Linn feat. Kasey Smith. Ob ihr "Heartbeat" mit irischem und modernen Dance umrahmten beim Publikum honoriert wird bleibt abzuwarten. In der Halle zwar schöner Applaus aber eher etwas verhalten. Wollt ihr einen Käsekuchen, diese Frage wird von TEO aus Belarus gestellt. Ein quirliger junger Mann der seinen "Cheesecake" and den Mann bzw. die Frau bringen will. Auch hier eher verhaltenes Echo vom Publikum.

Grosse weisse Brille, blonde Haare, braucht es nicht etwas mehr um den "Sky" zu erreichen. Mazedonien wird mit "To The Sky" ebenfalls in englischer Sprache von Tijana gesungen. Nicht gerade die grösste Innovation, deshalb auch vom Publikum nicht mit zu viel Applaus bedacht. Jetzt gehen die Türen auf um das Setting für SEBalter aufzustellen. Man merkt, dass man den jungen Tessiner hier in Kopenhagen schon zu sehen bekommen hat. Er wird mit sehr viel Applaus begrüsst. Das Publikum kann sogar schon den gepfiffenen Teil des Song mitpfeifen, das heisst doch dass SEBalter hier in Dänemark alles richtig gemacht hat. Ein stimmiger Auftritt mit Positionsänderungen und einen immer fröhlich strahlenden Sebastiano. Hier legte das Publikum beim Applaus noch eine Schippe drauf. Es sieht sehr gut aus für den Schweizer Beitrag.

Griechenland kommt mit drei hübschen Jungs auf die Bühne. Das ist schon mal die halbe Miete, dazu noch ein guter Song der genau den Trend der Zeit getroffen hat. Wie im Euro-Club konnten sie auch hier das Publikum zum Mitklatschen und Mitstampfen bewegen. Einzig die Trampolineinlage passt für mich so gar nicht ins Konzept. Sieht anfänglich aus wie bei einem Turnerkränzchen bis die beiden Sänger/Rapper auch noch darauf rumturnen. Hoffentlich nicht zu viel, Estland hat mit zuviel Akrobatik den Preis ja schon am Dienstag bezahlt.

Auch geflötet wird in diesem Jahr. Mit Slowenien kommt eine moderne Kompsition zum Vortrag welche durchaus auch das Potenzial hat ins Finale einzusteigen oder aber einfach klanglos untergehen wird. Auf welche Seite ist mir jetzt noch nicht klar. Den Abschluss macht Rumänien mit Paula Seling & Ovi. Ob sie das "Miracle" schaffen können. Auf jeden Fall haben sie wieder ein neues Klavier, diesmal in Ringform, erstellen lassen. Gesanglich sehr schön, jedoch das Elektroklavier Geklimper geht mir persönlich langsam auf die Nerven und macht jeden Song dieses Duo's gleich.
Donnerstag, 8. Mai 2014

Nach einem Shopping-Tag in Kopenhagen geht es nun langsam aber sicher in Richtung Arena zum zweiten und aus Schweizer Sicht wichtigeren Semi-Final. Trotz teilweise regnerischem Tag im Vergnügungspark Tivoli konnte ich mir ein paar Gedanken zum Ausgang des heutigen Abends machen.

Auf der Fan-Meile von Kopenhagen, sind mir noch viele Schweizer Fans begegnet mit welchen ich ein paar Worte wechseln konnte. Heute musste man oft vor Platzregen in Geschäfte oder Restaurant's flüchten. Trotzdem ist es nicht kalt. Ich konnte also den Tag in vollen Fussgängerzonen geniessen, bevor es zum grossen Showdown kommt heute Abend.

Hier sind meine Finalteilnehmer aus dem zweiten Semi-Final. Liste geordnet nach der Starnummer-Reihenfolge.

Malta, Israel, Norwegen, Österreich, Finnland, Irland, Schweiz, Griechenland, Slowenien und Rumänien. (8.5.2014 - 17:30 Uhr)

Ich kann's ja gleich verwegnehmen wir, die Schweizer (SEBalter), haben es ins grosse Finale geschafft. Nach der obligaten Fahrt, welche mir durch einen britischen Kollegen durch Gepräche verkürzt wurde kamen wir um 19:00 Uhr in der Halle an. Was ich nicht begreife ist dass, wie auch am Flughafen, nicht für die Sicherheitskontrolle vorbereitet sind. Die Taschen welche man schon vorher hätte leeren können, Gürtel abschnallen etc. um durch den Security-Check zu gehen werden erst in allerletzter Sekunde gemacht was dann Minuten dauert. Dafür sich lautstark darüber beschweren wie lange dieser Check geht. So scheinen die Menschen zu funktionieren.

Im Presse-Center war schon einiges los. Polen hat sich mit Deutschland zusammen noch für einen Fersehtermin versammelt und auch noch vereinzelt Interviews gegeben. Die Franzosen, Twin Twin, wurden auch sehnsüchtig erwartet, denn die hat man bis jetzt auch eher weniger gesehen. Alle wollen noch etwas Werbung für sich machen. Draussen ist mittlerweile wieder ein heftiger Sturm aufgezogen und es giesst aus Kübeln. Da die Sonne diesen Regen durchbrach entstand ein schöner Regenbogen, welche die Conchita Fans als Zeichen vom Himmel interpretierten. Für mich war es ein natürliches Phänomen das ich auch ohne eine Vorsehung für Österreich bewundern kann.

Das DR (Dänische Radio) lieferte wieder eine perfekte Show ab. Ausser bei Griechenland, wo der Rapper Risky Kidd einen Hänger hatte, wurden alle Songs wie gewohnt professionell abgeliefert. Dies mit mehr oder weniger Echo aus dem Publikum. Ganz gross wurde die Conchita Wurst aus Österreich abgefeiert. In der Halle hätte sie gewonnen, was jedoch das Fernsehpublikum und die Jury zu dieser, doch meinungsspaltender Kunstfigur meint wird man später erfahren. Da Australien nicht am Eurovision Song Contest teilnehmen kann aber die grösste Population ausserhalb Europas ist würden diese auch in die Show einbezogen. Mit etwas Witz wurde Australien in einer Animation nehmen Grossbritannien gesetzt. Was als Witz gedacht war, erinnerte jedoch auch viele an die kürzliche Annektierung der Krim von Russland. Aus meiner Sicht nicht gerade feinfühlig, aber dieses Konzept stand vor dem Russischen Einmarsch in die Ukraine.

Kaum Auszuhalten war es bis endlich die 10 Teilnehmerländer bekanntgegeben wurde. Und wer hätte damit gerechnet, ausser ich, dass SEBalter es ins Finale schaffet, wurde als erster die Schweiz angekündigt. Grosse Erleichterung und Freude machte sich breit. Endlich wieder einmal im grossen Finale am Samstagabend mitzumachen. Schade fand ich, dass es Israel und Irland nicht geschafft haben, ich hätte diese beiden Länder lieber im Finale gesehen als Belarus und Polen. Aber die Kameraeinstellungen, welche von der Waschfrau und dem Buttermädchen gemacht wurden, trugen dazu bei dass mehr auf die aus meiner Sicht etwas aufgepeppten Oberweiten der beiden Damen gerichtet wurden und Sex sells funktionierte.

In der Presse Lounge sind mir Manu und Isabelle um den Hals gefallen. Der Schweizer Kameramann und die Journalistin konnten es noch immer nicht ganz fassen, freuten sich aber riesig. Auf dem Weg zur Pressekonferenz sind mir die restlichen Protagonisten von SEBalter noch in die Arme gelaufen und das im wahrsten Sinne des Wortes. Jeder einzelne wurde beglückwünscht und geherzt. Freude total. In der anschliessenden Pressekonferenz durfte SEBalter noch ein Zettelchen ziehen auf welchem stand in welcher Hälfte des grossen Finals er auftreten wird. Später am Abend wurde von den Produzenten die Startnummer bekanntgegeben. Mit der Nummer 20 hat SEBalter eine hervorragende Ausgangslage im Grossen Finale.

Im bis auf den letzten Platz besetzten Bus ging es nun in Richtung Euro-Club. Dort angekommen waren schon einige Schweizer Fans am Feiern. Mit Gratulationen überschüttet betrat ich den Club. Jedermann und auch Frau war mit dem Entscheid einverstanden und freute sich mit uns. Ich werde sonst nicht innerhalb von einigen Stunden so oft geherzt. Ich geniesse das Gefühl etwas schweben zu können und die Freude bricht auch nicht ab als ich den Club wieder in Richtung Hotel verliess.
Freitag, 9. Mai 2014

Trotz regnerischem Wetter bleibt die Freude bei den Schweizer Fans ungebrochen. Nun hoffen wir natürlich, dass SEBalter heute Abend nach der Nachmittagsprobe im Jury-Final wieder einen perfekten Auftritt hinlegt und somit schon 50 Prozent der Wertung zu seinen Gunsten einsacken kann. Viel geschlafen wird er wohl nicht haben, da doch der ganze Medien-Marathon absolviert werden musste. In einer Bar abseits des Eurovisions-Trubels feierten die Schweizer Delegation den Finaleinzug.

Nicht ganz so sportlich hat es die Teilnehmerin aus Mazedonien genommen. Sehr stark enerviert ist sie mit dem Delegations-Bus ins Hotel zurückgefahren. Was Tijana dann von sich gegeben hat spottet jeder guten Kinderstube. "Fuck Europe" etc. so schrie sie vor ihrem Hotel rum. Ich kann da nur sagen es ist nicht leicht zu verlieren, aber trotzdem sollte man sich immer bewusst sein, dass aus einem Wettbewerb Sieger und auch Verlierer resultieren. Und damit sollte man sich schon vor der Teilnahme auseinandersetzen.

Nach erneutem Durchschreiten der ganzen Fanmeile machte ich mich wieder auf den Weg zur Halle. Um 14:00 Uhr wird der erste Probedurchgang der Finalteilnehmer sein. Leider hat mir erneut der Shutte-Bus Service einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es kam und kam am Ausgangspunkt einfach kein Bus. Mit gut einer Stunde Verspätung ist der Bus dann eingetroffen. Somit habe ich auch die meisten Präsentationen in der Halle verpasst. Gereicht hat es nur noch für San Marino und Grossbritannien. Der Interval-Act ist nicht so nach meinem Goût. Ich finde dieser zieht die aufgebaute Stimmung in Kellerregionen oder mindestens Sous-Terrain.

In der Presse-Lounge machten die Franzosen noch einmal Werbung für sich selbst. Befremdet habe ich auch noch zur Kenntnis genommen, dass die Big 5 und Dänemark noch einmal eine Pressekonferenz abhielten. Diese waren jedoch nicht so gut besucht. Wonderful Copenhagen baut schon langsam den Werbestand ab. Auch der Hauptsponsor TDC ist nicht mehr gross anwesend. Ruhe vor dem Sturm? Wenn man so die Pigeon-Holes anschaut kann man feststellen, dass noch lange nicht alle akkreditierte Presse da ist, oder aber kein Pressefach beantragt haben. Das Restaurant ist heute gut besucht, obwohl ich mich dazu entschlossen habe nicht mehr dort zu essen, denn die Qualität ist in keinster Weise mit einem Restaurant zu vergleichen.

Gegen 19:00 Uhr habe ich das Gelände um die Halle verlassen. Ich möchte die Finale Show nicht noch mit einem zusätzlichen Durchgang sehen. Denn mit jedem Durchgang ist das Einschätzen welches das Publikum am Samstag haben wird nicht mehr nachzuvollziehen. Ich werde mich am Samstag wieder voll auf die "Live-Show" einstellen und SEBalter die Daumen drücken, damit er einen sehr guten Platz in der Endabrechnung haben wird.

In der Fussgängerzone war mächtig viel los. Es ist Freitagabend und alles was zwei und mehr Beine hat in der Stadt unterwegs. Überall sieht man Menschen mit bemalten Gesichtern, meistens eine Nationalflagge, aber auch mit Fahnen und sonstigen Kostümen verkleidet durch die Fan-Meile schlendern. Nach einem kurzen Nachtessen, lauschte ich noch ein paar Auftritten auf der Hauptbühne. Obwohl schon etwas später, hatte ich nicht das Gefühl dass die Menschenmenge weniger wurde. Nein, diese hat gegen Mitternacht noch stark zugenommen. Auch begegnen mir immer mehr meist junge Menschen die nicht mehr ganz koordiniert hin- und her torkeln. Der Alkohol hat wohl seinen Dienst getan. Die Stimmung ist aber trotzdem friedlich. Ich habe während der ganzen zwei Wochen keine Auseinandersetzung festgestellt.

Auf dem Nachhauseweg durfte ich noch einen Slalom um die Damen des horizontalen Gewerbes machen. Vorwiegend Damen mit dunkler Hautfarbe bieten hier ihre Dienste auf den Trottoirs in der Bahnhofsumgebung an. Unser Hotel ist zentral gelegen, also mitten in diesem Sündenpfuhl. Ohne auf die Zurufe "Hey young man" - so was von gelogen - bis zu "Do you have time for me" oder "Wanna have some fun" zu achten, bin ich den Damen ausgewichen und geradeaus, wo möglich - die Damen haben mir ja auch den Weg versperrt, zurück ins Hotel gegangen.
Samstag, 10. Mai 2014

Trotz teilweisem Regen, freue ich mich heute noch einmal die Stadt zu erkunden. Leider sind durch den Bau der neuen U-Bahnlinien schöne Plätze einfach nicht zu besuchen. Auf der Fan-Meile, der Fussgängerzone, war aber schon mächtig etwas los. Die enge Gasse war mit einer Menschenmenge gefüllt, dass es zu einem "Stop and Go" Spaziergang wurde. In einem Café habe ich mich mit anderen Mitgliedern getroffen. Doch die von mir bestellte Cola habe ich bis zum Verlassen des Café's nicht erhalten. Es herrscht hier nicht die Hektik wie in Zürich. Überall muss man Warten. Die Dänen nehmen das Leben noch viel gemütlicher als wir Schweizer, und es funktioniert auch.

Auf dem Rückweg ins Hotel bin ich dann noch einem Demonstrationszug begegnet. Schwarz gekleidete Menschen sind durch die Fussgängerzone gerannt und haben bei grossen Platz noch schwarz rauchende stinkende was auch immer angezündet. Ein penetranter Geruch verbreitete sich. Dank des immerwährenden Windes verflog dies jedoch ziemlich schnell wieder. Was das Begehren der Demonstrierenden war konnte ich nicht ausmachen. Alle waren etwas überrascht, die Polizei hat nicht eingegriffen und es verlief auch friedlich.

Im Hotel angelangt habe ich schon einige Fans gesehen welche sich in Schale geworfen haben um am heutigen grossen Abend aufzufallen. Ein Männerquartett hat sich pinke Anzüge angezogen und mit ebenso farbigen Hüten auf dem Gehsteig versammelt bis die schwarze Limousine sie abgeholt hat. Die Fans wollen eben standesgemäss an den Events gefahren werden. Hier spielt im Gegensatz zu dem ständigen Gejammer über die Preise des Essens, das Geld für einmal keine Rolle. Etwas später konnte ich auch eine Gruppe Schweizer Fans ausmachen, welche in Rot-Weiss das Troittoir bevölkerten. Diese Fans haben sich jedoch mit den öffentlichen Verkehrsmittel in Richtung Halle aufgemacht. Ich habe es vorgezogen mit dem zur Verfügung gestellten Shuttle-Bus die Reise anzutreten.

Die Spannung stieg und ich wollte eigentlich nur noch, dass der Event endlich beginnt. Dass dies pünktlich erfolgen wird war mir klar aber die Stunde davor wurde dann doch noch zur Zerreissprobe. Draussen hat es mittlerweile wieder begonnen stark zu regnen. Werden die Zelte rum um die Arena diese Wassermassen abhaben können? Diese sind ja alle nur provisorisch aufgestellt worden.
Dann endlich die erlösende Eurovisions-Fanfare. May the show begin.

Einfach hervorragend was das Dänische Fernsehen auch nach den zwei Semi-Finals noch einmal für das grosse Finale hingestellt hat. Die Qualifikanten aus den Semi-Final hatten es da schon etwas leichter als die direkt Qualifizierten. Diese mussten sich heute zum ersten Mal dem Fernsehpublikum stellen. Die Stimmung in der Halle war hervorragend, einzig mit dem Interval-Act konnten die wenigsten etwas anfangen. Doch das Beste des Abends kam ja noch, die Punktevergabe. Wer wird es wohl schaffen diesen Riesenevent ins Land zu holen. Klare Favoriten gibt es ja mittlerweile zu Hauf.

Wann werden wir als Schweizer das erste Mal jubeln können. Die erste Wertung kam aus Albanien und da wurde klar die Spanierin Ruth Lorenzo und die Italienerin Emma favorisiert. Schon bei der zweiten Wertung aus Armeninen konnten wir uns über 5 Punkte für SEBalter freuen. Der grösste Druck war nun weg. Obwohl wir nur aus Polen die zweitbeste Wertung von 10 Punkten erhielten, alle anderen Wertungen lagen darunter, schaffte es SEBalter aus 17 Ländern Punkte einzuheimsen. Dies bescherte ihm nach dem hervorragenden 4.Platz im zweiten Semi-Final den 13. Platz im grossen Finale und konnte somit ausser Spanien alle direkt Qualifizierten überholen. Auch das riesig favorisierte Greichenland lag letztendlich hinter uns. Ganz bös hat es die Grande Nation erwischt mit nur 2 Punkten belegte Frankreich den 26. und damit letzten Platz.

Auf den vorderen beziehungsweise vordersten Rängen war es zuerst ein Kopf an Kopf Rennen von Öesterreich, Armenien, Schweden und Ungarn. Doch schon schnelle kristallisierte sich die stark polarisierende Conchita Wurst als Leaderin der Rangliste. Bereits als Schweden als fünftletzte Nation die Punkte vergeben hatte war klar, dass "Rise Like A Phoenix" von Conchita Wurst und damit Österreich die 59. Austragung des Eurovision Song Contest gewonnen hatte. Die ganz grosse Überraschung hingegen war die Niederlande die den zweiten Platz machte und bei den wenigsten auf dem Zettel stand.

Die Siegerin gab gleich anschliessend an die Show noch eine Pressekonferenz und danach ging es ab in den Euro-Club wo der Sieg noch kräftig gefeiert wurde. Für mich nur ein kurzer Event denn ich musste mich für die lange Bahnfahrt vom morgigen Tag vorbereiten und auch noch meine Koffer packen.
Sonntag, 11. Mai 2014

Nachdem ich gepackt hatte so gegen 4 Uhr, wollte ich trotzdem noch ein Stündchen schlafen und habe den Wecker auf 6 Uhr eingestellt. Diesen habe ich jedoch nicht gehört und bin eine ganze Stunde später aufgewacht. Kaum aufgestanden hat mich die Rezeption auf Aufforderung meiner Kollegen angerufen. Husch noch einen Blick in alle Schränke und ins Badezimmer, ob auch wirklich nichts vergessen habe. Koffern zu und nach unten an die Rezeption wo ich die Rechnung noch begleichen musste. Eine Quittung konnte mir nicht ausgehändigt werden da der Drucker seine Macken hatte. So verliessen wir strammen Schrittes das Hotel in Richtung Kopenhagen Bahnhof wo wir um 7:42 Uhr unsere Reise in Richtung Schweiz antraten.

Da wir in Hamburg nur eine Umsteigezeit von 8 Minuten haben, fragte Louis gleich bei der Billettkontrolle nach ob das auch wirklich reichen würde um den nächsten Zug nach Basel zu erwischen. Dies wurde ihm bestätigt sei ja nur zwei hundert Meter. Dies beruhigte uns für den Moment. Und so fuhren wir mit dem ICE in Richtung Süden bis zur Fähre. Währen des Übersetztens mit der Fähre mussten wir den Zug verlassen. Dies gab uns die Möglichkeit etwas zu Essen, da das Frühstück in Kopenhagen flachfiel. Auf dem Deutschen Festland angekommen wurden unsere Tickets erneut kontrolliert. Eine eher kratzbürstige Mitarbeiterin machte uns darauf aufmerksam, dass der Anschluss nicht gewährleistet werden könne in Hamburg. Auf unser Rückfragen, wurden wir regelrecht zurechtgewiesen, dass wir eine Verbindung hätten die nur 8 Minuten Umsteigezeit eingeplant habe. Dies wurde uns aber von der Deutschen Bahn so verkauft. Auf jeden Fall sollte es unser Fehler sein ein Ticket gekauft zu haben mit einer solch kurzen Umsteigezeit. Wir hätten die Dame der Deutschen Bahn darauf aufmerksam machen müssen. Wer erbringt hier die Dienstleistung, mussten wir uns fragen, und wer soll die Erfahrung haben. Die Dame hat wohl schlecht geschlafen, denn sie kam auch noch mit anderen Fahrgästen ins Gehege.

Schon eine viertel Stunde vor Hamburg haben wir uns in Richtung Ausgang begeben, damit wir als erste den Zug verlassen können und auf den Anschlusszug rennen. Meine Kollegen waren da bestimmt etwas schneller als der alte Mann. Ich habe es jedoch auch geschafft in den Anschlusszug einzusteigen, nur hatte ich meine Kollegen verloren. Der Schaffnerin des neuen Zuges habe ich gesagt, dass ich nun einfach mal einsteige, damit ich überhaupt im Zug sei und beginne dann nach der Abfahrt meine Kollegen und unsere reservierten Plätze zu suchen. Zum Glück gibt es die moderne Technik des SMS. So erhielt ich kurz nach Verlassen des Hauptbahnhofes in Hamburg eine SMS in welcher mir mitgeteilt wurde in welchem Wagen sich meine Kollegen befinden. Bis zur Ticketkontrolle habe ich diese dann auch gefunden und konnte meinen reservierten Platz, nicht ganz, einnehmen. Eine Familie hatte sich auf unsere Plätze gesetzt und wir haben demzufolge deren Plätze genommen. Es war ein riesiges Durcheinander. Auch was das Gepäck anbelangt. In den Zügen steht heutzutage niemals genug Platz für das Gepäck zur Verfügung. Es ist ja auch nicht damit zu rechnen, dass Menschen die weiteren Strecken mit der Bahn zurücklegen auch noch Gepäck dabeihaben.

Trotz der sehr langen Fahrt bis wir in Basel Badischen Bahnhof angekommen sind, war es eigentlich nicht langweilig. Zwischendurch habe ich noch zusammen mit einem Kollegen auf dem Handy ein Jass-Spiel gemacht was die Reisezeit auch noch etwas verkürzte. Auch ein iPod verkürzte mir die Fahrt. In Basel Badischen Bahnhof sind dann meine Kollegen ausgestiegen. Ich musste noch weiter in Richtung Zürich. Zum Glück konnte ich im selben Zug sitzenbleiben. So musste ich nicht mit meinem sehr schweren Koffer noch einmal umsteigen, reichte ja wenn dies in Zürich noch einmal gemacht werden musste. So fuhr ich also noch einmal eine Stunde von Basel SBB nach Zürich Hauptbahnhof. Der Zug traf auch trotz vorangekündigter Verspätung noch rechtzeitig ein, so dass ich die S-Bahn nach Uster mit etwas Hektik doch noch erreichte.

In Uster angekommen noch in den Bus umsteigen und dann endlich zu Hause ankommen. Koffer noch schnell ausgepackt, Inhalt nicht oder nur teilweise verräumt und dann endlich ins Bett. Zwei schöne Wochen in Kopenhagen gingen zu Ende und einmal mehr ein Eurovision Song Contest den ich "live" miterleben durfte.
 
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